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Im Auftrag des Herrn Goethe
AHA!-Autor Michael Blochwitz über sein Gastspiel als Late-Night-Talkmaster in Barcelona

Halle/AHA. So kann das Business laufen: Gerade als in Deutschland die Kühle einsetzte, landeten Moritz Metz und ich inmitten des spanischen Spätsommers. Auf Einladung der Medienkunstgruppe Platoniq und des Goethe-Instituts durften wir Mitte Oktober unsere kleine multimediale Late-Night-Talkshow "So läufts Business" im Innenhof des Centro de Cultura Contemporánea de Barcelona (CCCB) abhalten, der bedeutendsten Kulturstätte der Stadt, gleich nach der Staatsoper. Aber wir sind ja auch Nachwuchs-Talkmaster, keine Sängerknaben.

Zugegeben, wir waren ein bisschen eingeschüchtert vom professionellen Rahmen und den neuen Dimensionen: der vier Meter großen Videoleinwand, der Simultan-Übersetzerin und solch hochkarätigen Gästen wie Jochen Becker, der für die Berliner Volksbühne ganze "Ersatzstädte" kuratiert. Und weil schon bei unserer vierten Show alles so gewaltig und großartig aussah, fanden wir die nötige Gegenstrategie im Talk-Thema des Abends: "Schrumpfen". Pole schmelzen, Renten, unsere Konten schrumpfen, Sozialleistungen, Einschaltquoten und natürlich solche Städte wie Halle ebenso.

Aber sind diese Schrumpfungen immer negativ? Zwar ist unser Leben auf Wachstum und Fortschritt ausgelegt, aber vielleicht ist kleiner werden manchmal auch gesund? Wenn beispielsweise zelluläre Wucherungen an weiblichen hinteren Rundungen durch den Prozess des Fettabsaugens schrumpfen, kann das durchaus angenehm aussehen. Und wer hat schon etwas gegen getrocknete Tomaten einzuwenden? Oder gegen Rosinen?

Als wir dann zur besten Harald-Schmidt-Sendezeit gegen 23 Uhr die Bühne betraten, war das Festivalpublikum bereits erheblich geschrumpft, offensichtlich übermüdet von den zahlreichen theoriesatten Panels des Abends. Und so waren wir doch weniger aufgeregt als vor Freund und Feind in der Heimat.

Doch Achtung: Auch Nachwuchs-Talkmaster können schrumpfen, vor allem in der Gunst der verwöhnten Entertainment-Meute. Doch nach der Show allseits Lob und Anerkennung. Nur wir fühlten uns seltsam unzufrieden. Was aber wohl auch wichtig ist: Denn wenn wir beginnen, selbstzufrieden oder gar größenwahnsinnig zu werden, sind wir in dieser Medien- und Entertainmentgesellschaft zwar bestens aufgehoben, hätten dann aber den Grund verloren, uns auf den ganzen Wahnsinn überhaupt einzulassen. Schließlich wollen wir doch diese kalkulierte Businesswelt mit warmen Herzen und wachem Geist ein wenig aufmischen.

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